Thomas Jung/ Stefan Mller-Doohm (Hg.)
Fliegende Fische
Eine Soziologie des Intellektuellen in 20 Portr„ts
Frankfurt am Main 2008


Die Herausgeber dieses Buches geh”ren an der Universit„t Oldenburg zur Forschungsstelle "Intellektuellensoziologie“, deren Leiter der Soziologieprofessor Mller-Doohm ist. In ihrem Vorwort "Fliegende Fische. Zeitgen”ssische Intellektuelle zwischen Distanz und Engagement“ bermitteln sie dem Leser, der durch den Buchtitel natrlich einiges erwartet, eine ernchternde Auskunft. "Ausgehend von der Arbeitshypothese, dass soziale Funktion der Intellektuellen durch die Art und Weise ihres Denkstils und ihrer ”ffentlichen Redepraxis zu konstruieren und zu beschreiben ist“ schreiben sie, "konnte nur festgestellt werden, dass ein Denkstilmuster im Sinne eines Soziolekts, d. h. einer bergreifenden Gruppensprache von Intellektuellen, nicht festzustellen ist.“ (S. 11/12) Und als Einstieg in die Texte folgt dann die Feststellung: "Was brig bleibt, ist, dass der Intellektuelle ein inhaltlich, artikulatorisch und in der ”ffentlichen Wahrnehmung prominenter Diskursexponent ist.“ (S.13)
Im Buch werden von verschiedenen Autoren zwanzig Pers”nlichkeiten benutzt, um an ihrem Beispiel dem Problem des Intellektuellen auf die Spur zu kommen. Die Auswahl reicht von Max Weber bis Gnter Grass, von Antonio Gramsci bis Francois Lyotard, von Jrgen Habermas bis Carl Schmitt, von Noam Chomsky bis Theodor W. Adorno, von Jean-Paul Sartre bis Karl Jaspers. Mit Hannah Arendt und Christa Wolf sind auch zwei Frauen vertreten. Auff„llig ist bei dieser Auswahl, dass der osteurop„ische und asiatische Raum v”llig ausgespart bleibt. Die Herangehensweise an diese "Portr„ts“ ist sehr unterschiedlich. Einige Autoren spren die definitorischen Ansichten zum Intellektuellen bei den behandelten Personen auf; andere wiederum bemhen sich, die behandelte Person als Intellektuellen zu identifizieren. Durchg„ngig macht sich jedoch die Position breit, dass man nicht so genau aussagen kann, wer und was denn eigentlich der Intellektuelle sei. "Die Figur des Intellektuellen ist im h”chsten Maáe individuell und zeitgeschichtlich bedingt, gerade dieser Umstand macht eine verallgemeinerungswrdige Definition nahezu unm”glich,“ (S. 82) heiát es beispielsweise im Beitrag zu Adorno. So bleibt denn auch die Ausbeute fr einen Leser, der auf der Suche nach einer deutlicheren Bestimmung des Intellektuellen oder gar einer ausgearbeiteten Soziologie des Intellektuellen ist, mehr als mager.
Die zwanzig Portr„ts werden in fnf Schwerpunkten vorgestellt. Begonnen wird mit "Der klassische Intellektuelle als kritisch-moralische Instanz“ (Weber, Mannheim, Adorno, Gramsci). Sehr problematisch erscheint dabei in dem Beitrag ber Max Weber die apodiktische Feststellung: "Im wilhelminischen Deutschland fehlte einfach die gesellschaftliche Struktur fr die Ausbildung von Intellektuellen.“ (S. 24) Der zweite Teil steht unter dem Thema "Der Intellektuelle und die ™ffentlichkleit“ (Sartre, Habermas, Chomsky, Rortry). Fr den dritten Teil wurde das Thema "Der Intellektuelle – Distanz und Opportunismus“ (Arendt, Jaspers, Bourdieu, Schmitt) gew„hlt. Ein wenig Erl„uterung h„tte man sich vom Autor des Beitrages ber Carl Schmitt erhofft, warum er den "deutschen Rechtsintellektuellen par excellenc“ (S. 251) im Titel seines Portr„ts einen "Antiintellektuellen“ nennt. Mit den Themen "Abschied vom universellen Intellektuellen“ (Foucalt, Luhmann, Lyotard, Blumenberg) und "Der Intellektuelle – Die Macht der Rhetorik“ (Moore, Kluge, Wolf, Grass) enden die Portr„ts. Im Epilog wird in Anlehnung an den "Namen der Rose“ von Umberto Eco ber "Der Name des Intellektuellen“ nachgedacht.

E. Fromm