Roland Baader
Totgedacht
Warum Intellektuelle unsere Welt zerst”ren
Gr„felfing 2002


Gleich vorne weg : Fr eine sachliche Behandlung des und hier interessierenden Themas (der deutsche Intellektuelle) ist dieses Buch wertlos. "Dies ist kein Buch 'gegen Intellektuelle’“ (18), meint der Autor zu Beginn. Aber bereits kurz darauf stellt er fest, worum es ihm in seinem Buch geht: um die "Feindseligkeit der Intellektuellen gegen Markt und Freiheit (oder gegen den Kapitalismus, was weitgehend dasselbe ist) und gegen den Liberalismus.“ (20) Baader versteht sich als ein kompromissloser Vertreter des Kapitalismus in seiner freiesten Gestalt. Damit ist er ein entschiedener Gegner des Sozialstaates, der die Produktivkr„fte eines Landes nur hemmt. Die Aktivit„ten des Sozialstaates richteten sich gegen die modernen Arbeitsm„rkte- fr Baader "ein Stck aus dem Tollhaus“ (149).Fr ihn existieren nur zwei generelle Arten menschlicher Bet„tigung: "entweder die Teilnahme an den Produktions- und Dienstleistungsaktivit„ten der freien M„rkte – oder die Mitwirkung bei den Aktivit„ten zur Behinderung, Verhinderung und Knebelung der freien M„rkte“ (147) Und in diesem "Behinderungssektor“ sieht er die Intellektuellen. Vehement tritt er fr die Globalisierung ein ("Globalisierung = Mehr Freihandel + mehr internationale Arbeitsteilung = mehr Marktwirtschaft in der Welt = Mehr Frieden und mehr Wohlstand in der Welt“ ,72)). Eine Globalisierung des Wohlfahrtstaates will er dagegen bek„mpfen. Auch das heutige Bildungswesen lehnt er konsequent ab und verlangt dessen Privatisierung.
Als Liberaler und Verteidiger einer freien Marktwirtschaft ist Baader natrlich ein Gegner jeder Art von Sozialismus. Das waren "sozialistische Verbrecherregime“, wobei er Sozialismus und Nationalsozialismus v”llig gleichsetzt (Faschismus sei eine "abgewetzte und verlogene Begriffs-Klamotte“ ,108)), Marx ist natrlich Murks

In seiner Bestimmung der Intellektuellen schlieát er sich eine Position des National”konomen Friedrich A. von Hayek(1899-1992) an, wonach der typische Intellektuelle weder spezielles Wissen noch besondere geistige F„higkeiten ben”tige, um seine Rolle als Vermittler in der Verbreitung von Ideen zu spielen. Derart schwammig in seiner Begriffsbestimmung, gibt es dann eigentlich keine Grenzen: alle kritischen Kr„fte, die sich mit der Gesellschaft auseinandersetzen, sind Intellektuelle. Auáen vor bleiben die arbeitenden Menschen, die Kapitalisten und – die Liberalen. Denker der Vergangenheit, die in das Baadersche Intellektuellen-Schema passen, sind dann zum Beispiel "Groápopanze vom Schlage eines Saint-Simon und Auguste Comte“ (193);mit Jean-Jacques Rousseau begann das "gesellschaftszerst”rerische Denken abendl„ndischer Intellektuellen“ (239); im 20. Jahrhundert ist ihm die Frankfurter Schule – dazu z„hlt er Philosophen wie Horkheimer, Adorno, Marcuse und Habermas – ein Dorn im Auge: von ihr ging ein "geistiger Pesthauch“ aus, sie war eine "verweste Nachgeburt des Marxismus“ (194), weshalb der Autor unbedingt auf die "desastr”sen Ergebnisse der Frankfurter Whlarbeit“ (198) aufmerksam machen muss.

Diese Intellektuellen handeln nicht einfach verr„terisch, sondern erb„rmlich und gewissenlos (119), sie sind "Claqueure und Tamburine der politischen Klasse“ (120), ihre Theorien sind fast immer falsch, ihre šberzeugungen fast immer irrtmlich und ihre Emotionen verstellen das sachliche Denken (127). Auáerdem seien Intellektuellen keine Helden, wofr als Beispiel den "Verbandsfrsten der Lge, Hermann Kant“ anfhrt. Und Intellektuelle "wollen Macht, Einfluá und Autorit„t ausben“ (162). Sie halten sich fr klger als die Masse der Menschen und sind prinzipiell gef„hrlich, weil sie "danach streben, die Menschheit nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen“ (167). Fr ihn war es sogar "die breite Phalanx der antiliberalen und antikapitalistischen deutschen Intellektuellen, welche Weimar zur Totgeburt und den Aufstieg und Sieg des Nationalsozialismus zum fast unabwendbaren Schicksal gemacht haben.“ (61) Intellektuelle sind eben "im Zentrum ihrer kognitiven und kontemplativen Existenz auch dann Sozialisten und Markt- und Freiheitsfeinde, wenn sie sich ganz und gar nicht fr solche halten“. (191) Und es wird noch besser: Fr Baader sind "alle gesellschaftlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts…Kopfgeburten von Intellektuellen“ (253)
Das Buch endet mit der Feststellung: "Wir k”nnen die Feuersbrunst der geistig-ideologischen Gesellschafts- und Freiheitszerst”rung nur eind„mmen, wenn wir die Voraussetzungen dafr schaffen, dass statt der ”ffentlichen Intellektuellen wieder private Intellektuelle herangebildet werden – und statt der Schmarotzer-Eliten wieder Leistungs-Eliten.“ (268) Wie hieá es doch am Anfang: Dies sei kein Buch gegen die Intellektuellen…

Abschlieáend: Ich kann nicht glauben, dass es der Autor mit seiner maálosen Argumentation gegen alles und jeden – mit Ausnahme seines Liberalismus – ernst gemeint hat. Wenn doch, dann kann ich fr mich nur feststellen: fast totgelacht…
E. Fromm